STUDIEREN, FORSCHEN UND LEHREN

Baden-Württemberg ist Hochschulland. Unsere Hochschulen bieten durch ihre Vielfalt und die Vielzahl der Standorte ein sehr gutes, breites Angebot an Studiengängen. Vier der elf Exzellenz-Unis befinden sich in Baden- Württemberg. Neben starken Universitäten haben wir noch mehr zu bieten: zahlreiche Hochschulen für angewandte Wissenschaften (HAWs, früher: Fachhochschulen), Pädagogische Hochschulen, die Musik- und Kunsthochschulen, die kirchlichen Hochschulen sowie die Duale Hochschule. Und die Hochschulen im Land sind attraktiv: für eine große Zahl von Studierenden und für Lehrende. Sie sind verlässliche Partnerinnen der Wirtschaft in der Innovation. Diese Stärken gilt es zu erhalten, zu fördern und weiterzuentwickeln.

STUDIEREN IN BESTFORM

Studieren in Baden-Württemberg soll gebührenfrei und selbstbestimmt sein. Wir ermöglichen mehr Studiengänge in Teilzeit und Zugänge zu Weiterbildung. Quereinsteiger*innen werden entsprechend ihrem Bedarf gefördert. Digitale Lehre wird fester Bestandteil der Studienangebote. Dafür unterstützen wir die Hochschulen in ihrem Streben nach hohen Standards bei der Lehre und nach angemessener technischer Ausstattung. Bei den internen Auswahlverfahren werden Kriterien wie Praktika, Freiwilligenarbeit und berufliche Erfahrung durchgängig berücksichtigt. Wir wollen mehr Studierenden internationale Erfahrung ermöglichen. Deshalb setzen wir uns für mehr Sprachkurse sowie eine bessere Anrechenbarkeit ausländischer Kurse an deutschen Hochschulen ein. Wir sagen allen baden-württembergischen Bachelor-Absolventinnen einen Masterstudienplatz zu. Unser Ziel ist ein sehr gutes Betreuungsverhältnis von Lehrenden zu Studierenden in jedem Studiengang. Die HAWs müssen weiter so viele Studierende wie 2015 zulassen. Gleichzeitig wollen wir die Berufsbefähigung der Bachelor-Absolvent innen hervorheben.

JA ZUR POLITISCHEN HOCHSCHULE

Alle Statusgruppen[1]Es gibt vier Statusgruppen: Studentinnen, Professorinnen, wissenschaftliche Mitarbeiterinnen sowie Mitarbeiterinnen in Technik und Verwaltung. Sie sollen grundsätzlich die gleichen Stimmrechte … Continue reading sind zukünftig in den Senaten der Hochschulen paritätisch vertreten. Die verfasste Studierendenschaft (VS) werden wir stärken und wieder mit einem politischen Mandat ausstatten. So fördern wir die Vertretungen der Studierenden in ihrer Mitsprache und ihrem politischen Engagement. Wir stellen uns klar gegen Maßnahmen, die die Hochschulen zu einem unpolitischen Raum machen wollen. Politische Willensbildung muss an den Hochschulen gefördert und darf nicht verhindert werden.

Die Studierenden erhalten zukünftig im Rektorat einen Prorektorin, welche*r sich um studentische Belange kümmert und auch studentisch besetzt werden kann.

WOHNEN IN STUDIUM UND AUSBILDUNG UND SOZIALE FÖRDERUNG

Wir wollen die Studierendenwerke stärken und setzen uns zum Ziel, bis zum Jahr 2030 für mindestens 20 % der Studierenden Wohnheimplätze zur Verfügung zu stellen. Auch die Verpflegung der Studierenden vor Ort stellen wir sicher. Dafür soll es einen Hochschulsozialpakt zwischen Bund und Ländern geben.

Die Studierendenwerke werden gemeinsam mit den Hochschulen dafür sorgen, dass eigene Kinder kein Hindernis für ein Studium sind, und Plätze zur Betreuung von Kindern im Alter von 0 bis 6 Jahren anbieten.

Auch den Wohnraum für Auszubildende fördern wir stärker. Gerade für junge Menschen, die keinen Ausbildungsplatz in Wohnortnähe finden, ist bezahlbarer und verfügbarer Wohnraum entscheidend. Auszubildende sollen nach ihren persönlichen Interessen Ausbildungsplätze annehmen und auch abseits ihres Elternhauses ins Leben starten können. Die Studierendenwerke leisten durch verschiedene Beratungsangebote einen wichtigen Beitrag zur Bewältigung des Studiums. Diese Beratungen müssen weiterhin kostenfrei und niedrigschwellig angeboten werden. Wir wollen, dass Studierende unkompliziert Leistungen nach dem BAföG beantragen können. Die Antragstellung soll digitalisiert und vereinfacht werden. Die Studierendenwerke erhalten für die Bearbeitung der Anträge einen kostendeckenden Zuschuss. Sie müssen so finanziert werden, dass zusätzliche Kosten nicht auf Studierende abgewälzt werden. Wir stärken außerdem die Rolle der Studierenden in den Verwaltungsräten.

Wir ermöglichen, dass die Studierendenwerke ein landesweites Semesterticket ausgeben. Um ein attraktives Modell zu schaffen, werden wir ein solches Semesterticket ausreichend bezuschussen.

Wir setzen uns zum Ziel, Sprachkurse und den Hochschulsport gebührenfrei anzubieten.

GUTE ARBEIT IST DIE MAXIME

Wir richten uns nach dem Grundsatz „Dauerstelle für Daueraufgabe“. Die Zahl der unbefristeten Arbeitsverhältnisse im wissenschaftlichen und nicht-wissenschaftlichen Bereich werden wir deutlich steigern. Die Grundfinanzierung der Hochschulen erhöhen wir und passen sie jedes Jahr den Tarifergebnissen an. Studentische Hilfskräfte sollen in Zukunft nach Tarif bezahlt werden.

Wir sorgen dafür, dass alle, egal welchen Geschlechts oder welcher Geschlechtsidentität, die gleichen Chancen auf eine Karriere in der Hochschule haben. Die Gleichstellungsbeauftragten werden wir finanziell arbeitsfähig ausstatten. Sie erhalten Stimmrecht in Berufungsund Auswahlkommissionen und weiterhin beratende Funktion im Hochschulrat.

Mit der Weiterentwicklung von Tenure-Track-Regelungen[2]Nach einer Probezeit und guten Leistungen können Juniorprofessor*innen eine Anstellung auf Lebenszeit erhalten. erhalten junge Wissenschaftler*innen eine Perspektive für ihren beruflichen Lebensweg.

EXZELLENZ IST DER MASSSTAB

Die Höhe der Forschungsmittel sowie die Zahl von Promotionen und Publikationen weisen Baden-Württemberg als exzellentes Hochschulland aus. Junge, vielversprechende Wissenschaftler*innen machen die Hochschulen international konkurrenzfähig. Um diese Konkurrenzfähigkeit zu erhalten, erhöhen wir die Grundfinanzierung und stellen diese langfristig sicher. Wir wollen Stellen für wissenschaftlich Mitarbeitende abseits von Professuren ausbauen. Außerdem schaffen wir weitere Personalkategorien.

An der Experimentierklausel für ein befristetes und thematisch gebundenes Promotionsrecht für Verbünde der HAWs halten wir fest. Wir motivieren die Hochschulen, diese Regelung zur Verleihung von Doktortiteln umzusetzen.

Digitalisierung ist ein wichtiger Aspekt exzellenter Forschung und Lehre. Im Sinne des „Hochschulforums Digitalisierung“ sollen in Deutschland und international Lern- und Lehrangebote sichtbar und zugänglich gemacht werden.

Wir werden einen neuen Lehrstuhl für Inklusion im Sport einrichten. Barrierefreiheit in unseren Hochschulen fördern wir mit einem Investitionsprogramm.

INNOVATIVE FORSCHUNG FÜR MORGEN

Künstliche Intelligenz (KI) ist eines der wichtigsten Forschungsfelder unserer Zeit. Sie wird in vielen Bereichen bereits angewandt und beeinflusst zum Beispiel die Entwicklung unserer Mediennutzung, das Gesundheitswesen oder unsere Arbeitswelt.

Wir wollen KI-Forschungszentren im Umfeld von Hochschulen und Wissenschaftsclustern[3]Cluster sind regionale Netzwerke zum Beispiel aus Unternehmen, Zentren für Forschung oder Dienstleister. Dort werden Geschäftsbeziehungen geschaffen und wird Wissen ausgetauscht. über das Land verteilen und damit die Voraussetzung für die Gründung weiterer Cyber- Valley-Regionen schaffen, von denen besonders kleine und mittlere Unternehmen im Technologietransfer profitieren.

Wir müssen die KI-Forschung weiter vorantreiben, ohne dabei ethische und gesellschaftliche Aspekte aus den Augen zu verlieren. Unser Ziel ist ein Ausgleich zwischen dem Wunsch nach Technologievorsprung und der breiten öffentlichen Diskussion über Vorteile und Gefahren der künstlichen Intelligenz. Wir wollen eine KI-Strategie mit klaren Zielen formulieren.

Innovative regionale Cluster werden wir unter Einbindung regionaler Wirtschaftskreisläufe fördern und vorantreiben. Als Schwerpunkte sehen wir folgende Bereiche: nachhaltige Mobilität, Umwelttechnologie und Ressourceneffizienz, Medizintechnologie und Life Sciences, Anlagen und Maschinenbau.

Fußnoten

1 Es gibt vier Statusgruppen: Studentinnen, Professorinnen, wissenschaftliche Mitarbeiterinnen sowie Mitarbeiterinnen in Technik und Verwaltung. Sie sollen grundsätzlich die gleichen Stimmrechte erhalten.
2 Nach einer Probezeit und guten Leistungen können Juniorprofessor*innen eine Anstellung auf Lebenszeit erhalten.
3 Cluster sind regionale Netzwerke zum Beispiel aus Unternehmen, Zentren für Forschung oder Dienstleister. Dort werden Geschäftsbeziehungen geschaffen und wird Wissen ausgetauscht.